Samstag, 29. März 2008

Hi Freunde,
gleich gibts Mittagessen, darum nur wenige Worte:
mir gehts immer noch gut, Spanisch wird langsam langsam besser. Die Arbeit is manchmal wie vor hundert Jahren, z. B. haben wir gestern mit vier Ochsen und zwei "Pflügen" gearbeitet... Wahnsinn... Naja, im Bereich Ackerbau werd ich nicht weitermachen... zumal ich zwei Stunden hin und zwei zurück laufen musste...
Die Leute sind immer noch und immer mehr saunett, vorm Essen aufm Acker wird gebetet und dann bedient sich jeder ausm andern seim Töpfchen...
Es regnet noch viel, aber Ende April is Schluss damit, dann wirds nur noch sonnig.
Ostern waren hier hunderte Touristen. Der GoDi am Ostersonntag war weniger beeindruckend als gedacht, ca. 130 Leuts aus nah und fern. Gepredigt hat einer aus Lima. Sein Sohn (in meinem Alter) hat er auch dabeigehabt, mit dem hab ich Freundschaft geschlossen.
Meine Unterkunft hat sich verändert: aus kalt und ohne Möbel ist jetzt kalt, ohne Möbel, ohne Spiegel, ohne Waschbecken, ohne Dusche, mit Klo für 15 Mann geworden... ... .
Naja, ich nimms gelassen und mit den Worten eines Herrn Lang: Was mich nicht umbringt macht mich nur härter.
Ach ja, an alle Mädels: es gibt hier mal echt nette Jungs, braungebrannt, gepflegt, strahlende Gesichter, und es saulustig wennse versuchen Deutsch zu reden!!!
An alle Jungs: Die Mädchen hier werden zu Frauen mit strahlenden Gesichtern, fleissig, fröhlich, und auch im hohen Alter noch mit den feinsten Zügen!

Schnell noch zwei drei Bilder reingestellt und dann auf Wiedersehen in zwei Wochen!

Euer
Michael

Samstag, 15. März 2008

So liebe Freunde,
heute hab ich zum ersten mal Internet-Gelegenheit und einen Blog (gracias Tobi) und kann euch von meinem Urlaub... ähh wollte sagen von meinem Praktikum hier in Peru erzählen.
Lange Reise, von Donnerstag Früh (6.3.) ab Münchner Flughafen bis Samstag (8.3.) Abend in Granja Porcon. 18h Flug, 14h Bus...
Irgendwie is Peru doch n bischen anders als Alemañe. Hier gibts zB keine richtigen Strassen, also in der Stadt schon und die Küste entlang, aber ins Landesinnere sind es meistens Sandstrassen, also wie die Feldwege bei uns... Autobahnen hab ich noch keine gesehen...
In Lima hab ich mir gleich mal nen Sonnenbrand geholt, weils so sonnig war. Ausserdem hats dort richtig gut gerochen.... .... naja... Die sind mit dem Umweltschutz noch nicht so weit... was da alles rumfährt! Prima.
Auf der Busfahrt nach Cajamarca (150000 Einwohner, 1h Busfahrt (über Feldweg versteht sich) von GP entfernt) gabs die ersten braungebrannten Einheimischen mit Strohhüten aufm Kopf, Kinder aufm Rücken den Esel über die Strasse führend zu sehen...
In Cajamarca blüht das Leben, aufm Markt gibts alles was man braucht, Klamotten, Strohhüte natürlich, Werkzeug, Handys, Elektrogeräte, Obst (wie alle Lebensmittel hier sehr günstig), halbe Hähnchen (ungekühlt und blutig) und Fahrräder... oder so was ähnliches... nix gscheits, und wie in Lima auch, sehr viele, sehr billige Taxis. Und überall betonierte Fussballplätze!
Zu meinem Betrieb:
Granja (Farm) Porcon ist ein Dorf, das eine wirtschaftliche Einheit bildet und verschiedene Produktionszweige betreibt. Fast alle Bewohner der Gegend arbeiten hier im Grossbetrieb mit. Dazu gehört der Bereich Milchvieh, in dem ich seit einer Woche tätig bin. Es werden zweimal täglich (3Uhr nachts!!! und 15Uhr nachmittags) ca. 190 Kühe der Rassen Jersey, Holstein und Brown Swiss gemolken. Gehalten werden sie auf Weiden, die Kälber in einfachen Stallungen. Die Melktechnik ist n bischen verartelt für deutsche Verhältnisse (4 Melkzeuge, und ca. 6-8 ortsansässige freundliche alte Damen (und ein 11 Jahre altes Mädchen das ebenfalls jeden Morgen um 3 auf der Matte steht), die von Hand melken!!!). Die 2 Hirten kennen ihre Kühe tatsächlich alle beim Namen und Nummer! Ach ja, der eine "Melkstand" liegt n bischen ausserhalb, d.h. ne halbe Stunde Fussmarsch... wenns klappt kann man auch mit dem Toyota Hilux vom Chef seim Bruder mitfahren! Auf der Ladefläche versteht sich...zusammen mit 4 anderen Praktikanten und 8 Milchkannen... übern Feldweg... und dem Chef sei Bruder fährt nicht gerade langsam... What a Abenteuer!
Weitere Betriebszweige sind: Fischzucht (Produktion von 40 Tonnen Forellen pro Jahr), Apicultura (Produktion von Honig), Milchprodukte (Prod. von Trinkjoghurt, Käse, Butter...), Forstabteilung (in den letzten Jahrzehnten wurden hier 10 000ha !!!! unbrauchbares Bergland mit Pinien aufgeforstet, welche in eigenen Baumschulen produziert werden), ne Schafherde mit ca. 600 Mutterschafen gibts auch noch, und natürlich Tourismus. Jeden Tag kommen etliche Touristen um u. a. den betriebseigenen Zoo mit Adlern, Bären, Affen, Panther usw. zu besuchen. Dann essen sie noch in einem der 2 Restaurants zu Mittag, kaufen im Hofladen ein, der alle eigenen Produkte anbietet, oder im Kiosk, oder in den 2 Läden mit Kunsthandwerk...
Also hier gibts echt alles, die Leute hier sind voll auf Zack. Die Technik und alle Bauwerke sind halt sehr einfach. Da es hier auf 3200m Höhe in Äquatornähe fast nie friert gibts z.B. keine Heizung, keine isolierten Gebäude (die Restaurants z.B. sind nur verbrettert) und in den Unterkünften der Praktikanten nur kaltes Wasser...
Landschaftlich ist das hier der Traum schlechthin. Teils bewaldete Berge (Reforestacion), n Fluss mittendrin, Blümchen überall, sooo viele Tiere. Kann schon fast mit Peunting mithalten...!
Überarbeiten tut man sich hier auch nicht. Mit mir sind hier noch ca. 12 weitere Praktikanten, die allesamt irgendwo in Peru Landwirtschaft studieren. Ausserdem die ganzen Einheimischen, die teils sogar ohne Bezahlung mithelfen. Das kommt dem Gerente (Geschäftsführer) natürlich günstiger als grosse Maschinen und teure Technik.
Alles in allem habs ichs hiermit wirklich gut erwischt. Zumal das ganze Unternehmen, für jeden deutlich erkennbar an zig Schildern mit Bibelsprüchen an jedem Gebäude und auch mitten in der Prärie, auf christlichem (evangelischem) Glauben basiert! Es gibt eine Kirche, jeden Sonntag einen 3 stündigen Gottesdienst, und überregionale Treffen.
Die Sprache ist derzeit noch mein einziges Problem. Ich versteh noch nicht so viel von dem was die Leute hier von mir wollen. Mit den Praktikanten komm ich sehr gut zurecht, alle etwa in meinem Alter und den deutschen Jugendlichen sehr ähnlich. Allerdings weniger reich: Digicam und Dictionary werden von einheimischen Mitarbeitern und Praktikanten bewundert als wärs vom anderen Stern, weils sichs keiner leisten kann. Im Gegensatz dazu packt gerade dem Chef sei Bruder seinen Dell-Laptop aus, weil ich seinen PC blockiere...
So isses hier. Mein grösstes Bedürfnis ist, dass sich mein Spanisch rapide bessert, und ein guter Kaffee (hab heut zum ersten mal nen Nescafe Instant probiert ...bäh...). Ach ja, Vacuñas schmecken spitze, Meerschweinchen hab ich noch nicht probiert, die werden hier aber auch produziert und "verarbeitet"!
Derweil vielen Dank für alles für mich Beten.
Ich meld mich wieder,
euer Michael